Schwanger werden mit Hashimoto’s und Schilddrüsenunterfunktion

Wie sich Hypothyreose auf die Fruchtbarkeit auswirkt


Schilddrüsenhormone wirken auf alle Körperzellen und sind notwendig für nahezu alle Körperfunktionen.
Sie beeinflussen sowohl die weibliche als auch männliche Fortpflanzungsfähigkeit – die richtige Balance der Schilddrüsenhormone und ein gesundes Immunsystem bestimmen den Erfolg schwanger zu werden.

Schilddrüsenhormone und die Fertilität

Schilddrüsenhormone spielen eine wichtige Rolle in allen Phasen der Reifung der Eizelle und Spermien, sowie im Überleben der befruchteten Eizelle (1-3).
Das T3 Hormon trägt zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut bei und ist somit entscheidend für die erfolgreiche Implantration der befruchteten Eizelle (Zygote). Außerdem hilft T3 der Zygote bei ihrer Wanderung entlang der Eileiter in die Gebärmutter, wo sie sich einpflanzen wird (1-4).

Eine unteraktive Schilddrüse stört den Stoffwechsel des Hormons Östrogen und führt zu erhöhten Werten von Testosteron, Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Luteinisierendes Hormon (LH). Dies ändert den Rhythmus des Eisprungs und kann unregelmäßige Monatszyklen auslösen (5).

7 von 10 Frauen mit nicht-diagnostizierter Hypothyreose haben unregelmäßige Menstruationszyklen. Nach der Diagnose, und nach Beginn einer Therapierung mit Levothyroxin, pendelt sich die Menstruation bei 5 von 10 Frauen in regelmäßigen Zyklen ein (6).

Etwa 4 von 10 Frauen, die Schwierigkeiten haben schwanger zu werden, leiden unter subklinischer Hypothyreose (7).
Bei Männern kann eine unteraktive Schilddrüse die Beweglichkeit der Spermien reduzieren, zu abnormaler Spermienform führen, und den Spiegel von Testosteron und anderen Geschlechtshormonen senken (8-10). 

Hashimoto-Thyreoiditis und Fruchtbarkeit

Mit einer Hashimoto’s Diagnose und erhöhten Werten von  TPO und TG Antikörpern verdoppelt sich das Risiko der Fertilitätsprobleme (7, 11).
Mangels Forschung in diesem Bereich gibt es weiter viele Unbekannte – jedoch beobachten einige Studien, dass erhöhte Antikörperwerte zu Schwierigkeiten beim Schwanger werden führen. 

Künstliche Befruchtung, Schilddrüsenhormone und Hashimoto-Thyreoiditis

Bei Methoden der künstlichen Befruchtung, wie In-vitro-Fertilisation (IVF) oder Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), injizieren sich Frauen hochdosiert Geschlechtshormone um die Reifung von Eizellen in den Eierstöcken zu stimulieren.

Diese ovarielle Stimulation bewirkt einen raschen Anstieg des Hormons Östrogen, welches den Bedarf an T3 und T4 erhöht und damit die Schilddrüse massiv belastet. Nimmt man gleichzeitig Levothyroxin ein, muss die Dosis erhöht werden, um diesen plötzlichen und hohen Bedarf an Schilddrüsenhormonen zu decken (12, 13). Außerdem sollte, am besten noch bevor Beginn der Behandlung, der TSH Spiegel unter 2.5mIU/L gehalten werden (14).

Was kann helfen?

Gemeinsam mit deiner medizinischen Betreuung kannst du die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen (15-20):

  1. Bevor du versuchst schwanger zu werden, lass deine Schilddrüsenfunktion überprüfen und testen, ob du Hashimoto-Thyreoiditis hast

  2. Lass dich auf die richtige medizinische Dosis einstellen und halte deine TSH Werte unter 2.5mIU/L.

  3. Halte deine Vitamin D Werte in einem guten Bereich durch tägliche Einnahme von 37.5-50.0μg (1500-2000 IE)

  4. Ausreichende Einnahme von Selenium: täglich 200mcg

  5. Ändere deinen Lebensstil, um TPO und TG Antikörper zu reduzieren. Deine Ernährung sollte entzündungshemmend gestaltet sein, und körperliche Aktivität wird das „Glückshormon“ Serotonin erhöhen.

Mehr Informationen findest du auf unserer Website, und in der BOOST Thyroid App kannst du die Gesundheit deiner Schilddrüse verwalten.

Quellennachweis:

1. Zhang C, et al. Effects of 3, 5, 3'-triiodothyronine (t3) and follicle stimulating hormone on apoptosis and proliferation of rat ovarian granulosa cells, 2013

2. Koot YE, et al. Molecular aspects of implantation failure, 2012

3. Aghajanova L, et al. Thyroid-stimulating hormone receptor and thyroid hormone receptors are involved in human endometrial physiology, 2011

4. Oki N, et al. Effects of 3,5,3'-triiodothyronine on the invasive potential and the expression of integrins and matrix metalloproteinases in cultured early placental extravillous trophoblasts, 2004

5. Krassas GE, et al. Disturbances of menstruation in hypothyroidism, 1999

6. Poppe K, et al. Female infertility and the thyroid, 2004

7. Poppe K, et al. Thyroid disease and female reproduction, 2007

8. Singh R, et al. Thyroid hormones in male reproduction and fertility, 2011

9. Krassas GE, et al. Hypothyroidism has an adverse effect on human spermatogenesis: a prospective, controlled study, 2008

10. Krassas GE, et al. Thyroid disease and male reproductive function, 2003

11. van den Boogaard E, et al. Significance of (sub) clinical thyroid dysfunction and thyroid autoimmunity before conception and in early pregnancy: a systematic review, 2011

12. Poppe K, et al. Impact of ovarian hyperstimulation on thyroid function in women with and without thyroid autoimmunity, 2004

13. Alexander EK, et al. Timing and magnitude of increases in levothyroxine requirements during pregnancy in women with hypothyroidism, 2004

14. Garber JR, et al. Clinical practice guidelines for hypothyroidism in adults: cosponsored by the American Association of Clinical Endocrinologists and the American Thyroid Association, 2012

15. Yoshioka W, et al. Thyroxine treatment may be useful for subclinical hypothyroidism in patients with female infertility, 2015

16. Abalovich M, et al. The relationship of preconception thyrotropin levels to requirements for increasing the levothyroxine dose during pregnancy in women with primary hypothyroidism, 2010

17. Twig G, et al. Pathogenesis of infertility and recurrent pregnancy loss in thyroid autoimmunity, 2012

18. Maraka S, et al. Subclinical Hypothyroidism in Women Planning Conception and During Pregnancy: Who Should Be Treated and How, 2018

19. Holick MF, et al. Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline, 2011

20. Turker O, et al. Selenium treatment in autoimmune thyroiditis:9-month followup with variable doses, 2006