Was sagt die Blutuntersuchung über deine Schilddrüse und deine Gesundheit aus?

Schilddrüsenwerte verändern sich ein Leben lang

Für Ärzte sind Blutuntersuchungen die einfachste und schnellste Möglichkeit dein hormonelles Gleichgewicht und deine hormonelle Gesundheit festzustellen. Laboruntersuchungen die deine Schilddrüsenfunktion messen sind Routine, und meistens zeigen sie eine Schilddrüsenunterfunktion eindeutig an.

Dennoch kommt es in manchen Fällen vor, dass die Ergebnisse unschlüssig sind. Wie kann ein einheitlicher „Normalbereich“ nahezu jedem passen – unabhängig von Alter, Geschlecht, und körperlichen Zustand?


Was ist normal?

Normalbereiche wurden vor langer Zeit definiert, um den gesunden sowie kranken Zustand verstehen zu lernen. Damals war das eine große Errungenschaft für die Medizin, denn es half Krankheiten in ihrer schwerwiegendsten Form zu erforschen. Heute haben wir ein anderes Verständnis: Wir bewegen uns in Richtung Personalisierung in vielen Lebensbereichen, und die Gesundheit spielt dabei eine besonders große Rolle. Wir müssen eine Grauzone betreten.

Ist der Normalbereich für jeden gleich?

Nein, das ist er nicht.

Was für dich normal ist, mag es für die nächste Person nicht sein. Selbst was für dich heute normal ist wird es in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr sein. Dein Gewicht oder Stresspegel und auch deine Ernährungsgewohnheiten können sich ändern, du wirst vielleicht schwanger, ziehst ins Ausland, und so weiter. Zusätzlich bestimmen deine Gene deinen Normalbereich zu jeder Lebenszeit.

Was bedeutet es wenn ein Blutwert außerhalb des Normalbereichs liegt?

Solltest du ins Ausland ziehen ist es wichtig zu bedenken, dass sich die Schwankungsbreiten bei Blutuntersuchungen zwischen Ländern unterscheiden. 

Eine einzige Messung zu einem gegebenen Zeitpunkt ist nicht unbedingt aussagekräftig. Du solltest die Blutuntersuchung ein- bis zweimal wiederholen, um die gemessenen Werte zu bestätigen. Auf diese Weise können du und dein Arzt oder deine Ärztin sich ein klares Bild über deine Gesundheit machen. 

Die TSH Untersuchung ist der erste Schritt bei der Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion. Bedenke jedoch dass TSH Werte irreführend sein können: Das Ergebnis gibt keinen unmittelbaren Hinweis auf die Krankheit, und auch mit dem Alter erhöhen sich die Werte (1). 

Das gleiche gilt bei Kindern: Bei der Geburt und in den frühen Jahren sind ihre TSH-Werte hoch, erst mit der Pubertät sinken sie deutlich ab (1). 

Wenn meine Werte im Durchschnittsbereich liegen – dann ist bestimmt alles in Ordnung?

Grundsätzlich: ja – doch nicht immer.

Beobachte ob deine Ergebnisse bei mehreren Untersuchungen zwischen den äußeren Werten des Normalbereiches schwanken. Doch selbst diese Schwankungen können natürliche Ursachen haben – wie etwa Stress, Krankheit, Änderungen deines Lebensstils oder Medikamenteneinnahme – und sich auch mit den Jahreszeiten ändern. Manche Patienten die sich bereits in der Anfangsphase des Hashimoto Syndrom befinden haben „normale“ TSH-Werte; zwischen 2,5-4,5mIU/L (1). Unser bester Tipp? Lerne dich selbst und deinen Körper kennen.

Was kann die Testergebnisse abweichen lassen?

1. Die Tageszeit, die Jahreszeit

Die Schilddrüse schüttet TSH über den Tag hinweg nicht gleichmäßig aus. Die Produktion folgt vielmehr einem zyklischen Biorhythmus und wird vor allem während des Schlafes produziert. 

Aktuell liegt der Normalbereich der TSH-Serumwerte zwischen 0,4 und 4,5mIU/L. 

Der obere Grenzwert ist jedoch umstritten und wurde in manchen Ländern auf 2,5mIU/L herabgesetzt. (2)

2. Die Testversion

Unterschiedliche Ausführungen des TSH-Tests sind verschieden sensitiv

3. Zu wenig oder zuviel gegessen

Hast du zu wenig gegessen,  dann kann dies zu einer Senkung der fT3- und T3-Werte führen. Isst du regelmäßig zuviel,  hat dies den umgekehrten Effekt - fT3 sowie T3 steigen.

4. Stress

Stress hat einen großen Einfluss auf deine Schilddrüset – er senkt T3-Werte. 

5. Bestimmte Medikamente

Medikamente können fT3 und fT4 erhöhen. Das ist nicht zwingend positiv, denn diese Medikamente blockieren gleichzeitig die Wirkung von T3 und T4. Höhere Werte im Blut sind also zwecklos – T3 und T4 erfüllen nicht ihre Funktion.

6. Sport

Warte einige Tage mit der Blutprobe wenn du zum Beispiel einen Marathon oder anderen hochintensiven Leistungssport betrieben hast. Im Allgemeinen ist Menschen mit Schilddrüsenproblemen von übertriebenem Trainieren abzuraten.

7. Auch ein Labor kann Fehler machen

Es geschieht nicht oft, doch Fehler passieren – das ist nur menschlich. Chemikalien die für die Tests verwendet werden können zum Beispiel alt oder verdorben sein. Normalerweise wird das schnell bemerkt, und der Test kann mit der gleichen Blutprobe wiederholt werden.

Was bedeuten die Schilddrüsen-Antikörperwerte?

Drei Antikörper werden mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse in Verbindung gebracht. Ihr Spiegel im Serum zeigen an welche Art der Autoimmunerkrankung vorliegt und unter Umständen wie weit diese fortgeschritten ist. 

Thyreoglobulin Antikörper (Tg-Ak oder T-Ak), Thyroperoxidase Antikörper (TPO-Ak, auch genannt Mikrosomal (MAk)) und TSH-Rezeptor Antikörper (TR-Ak)


Erhöhte Tg-Ak Werte findet man bei 8 von 10 Hashimoto-Syndrom Patienten und bei 4 von 10 Menschen mit Morbus Basedow (Graves-Krankheit). 

Erhöhte TPO-Ak Spiegel treten bei 9 von 10 Hashimoto-Syndrom Patienten und bei 8 von 10 Morbus Basedow Patienten auf.

Erhöhte Tg- oder TPO-Antikörper Werte werden aber auch bei 1 von 10 Menschen ohne Autoimmun-Schilddrüsenerkrankungen und 2 von 10 gesunden Menschen festgestellt.

Erhöhte TR-Ak Werte haben 9 von 10 Basedow Patienten, doch weniger als 2 von 10 Hashimoto Patienten.

Ebenso werden bei manchen Autoimmunpatienten keinerlei abweichende Antikörperwerte festgestellt.

Eine TPO-Antikörper Untersuchung während der frühen Schwangerschaft kann voraussagen ob ein erhöhtes Risiko besteht postpartale Thyreoiditis zu entwickeln. Postpartum-Thyreoiditis kommt in 1 von 10 Frauen nach der Geburt vor. Bei etwa der Hälfte der Schwangeren mit erhöhtem TPO-Ak Spiegel kommt es zu postpartaler Thyreoiditis (1).

Tg- und TPO-Antikörper werden in 1 von 10 gesunden Menschen nachgewiesen. Davon sind mehr Frauen als Männer, sowie häufiger ältere Menschen betroffen (3, 4).

Wie verändern sich TSH-Werte mit dem Alter?

Säuglinge und Kleinkinder

Neugeborene Babys haben hohe TSH- und T4-Werte, welche mit dem Wachstum abnehmen. Der T3-Spiegel steigert sich im ersten Lebensjahr und beginnt dann abzusinken (5).

Jugendliche

TSH und T4 nehmen weiter ab – etwa ab 18 rechnet man mit dem gleichen Referenzbereich wie bei Erwachsenen (5).

Erwachsene

Mehrere Studien an über 10.000 Menschen ohne Schilddrüsenerkrankung ergeben einen gesunden TSH-Anhaltswert um 1,5 mIU/L, wobei er bei Frauen im Vergleich zu Männern etwas höher liegt.

1 von 10 Erwachsenen unter 30 Jahren haben einen TSH Wert über 2,5mIU/L (6).

Schwangerschaft

TSH steigt während der Schwangerschaft stark an: von 1,20mIU/L im ersten Drittel auf 2,12mIU/L im zweiten, und 3,30mIU/L im dritten Drittel. Auch T3 und T4 Spiegel verändern sich: T3 von 1,7-4,3nmol/L im zweiten zu 0,4-3,9nmol/L im dritten Drittel, und T4 von 92,2-252,8nmol/L im zweiten zu 108,2-219,0nmol/L im dritten Drittel (6).

70+

Bei 4 von 10 Menschen älter als 80 liegen TSH-Werte über 2,5mIU/L, bei 1/10 sogar über 4,5mIU/L (7).

Forschungsberichten zufolge sollte der obere Grenzwert des TSH Normalbereichs bei über 70-jährigen auf 6.0mIU/L angepasst werden (8). Eine Studie über 15.000 Menschen in Schottland bestätigte, dass TSH-Referenzwerte für unterschiedliche Altersgruppen neu überarbeitet werden sollten – davon betroffen seien besonders Menschen älter als 70 (9).


Ist ein TSH-Wert über 2,5 mIU/L Hinweis einer Erkrankung?

Manchmal.

1 von 10 Personen mit TSH über 3,0mIU/L haben Hashimoto Syndrom (10).

TSH alleine ist kein geeigneter Diagnosemarker. Nimmst du Symptome wahr, die mit deiner Schilddrüsengesundheit zu tun haben könnten, sprich mit dem Arzt oder der Ärztin deines Vertrauens und lass dein Blut gründlich auf alle Schilddrüsenwerte untersuchen. Das ist der erste und wichtigste Schritt um den Gesundheitszustand deiner Schilddrüse zu erfassen.


Latente, subklinische oder manifeste Schilddrüsenunterfunktion  – was bedeutet das?

Ob eine latente und subklinische, oder eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion vorliegt macht einen großen Unterschied – gerade was die vorherrschenden Behandlungsmöglichkeiten betrifft.

Meistens wird vor einer ausgeprägten Unterfunktion nicht medizinisch therapiert; doch während sich die Unterfunktion verschärft, nehmen die Symptome stetig zu.

Auch eine milde Form der Schilddrüsenunterfunktion ist ernst zu nehmen wenn dein TSH Spiegel stetig ansteigt und du immer stärkere Symptome wahrnimmst. Besprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin welche Therapie sich für dich am besten eignet – und wo dein persönlicher „Normal-“ und Wohlfühlbereich liegt.

Manage die Gesundheit deiner Schilddrüse im BOOST Thyroid App. Die BOOST Thyroid App ist in Englisher Sprache für iPhones erhältlich.

Quellennachweis:

1. Carvalho GA, et al. The clinical use of thyroid function tests, 2013

2. Wartofsky L, et al. The evidence for a narrower thyrotropin reference range is compelling, 2005

3. Hollowell JG, et al. Serum TSH, T(4), and thyroid antibodies in the United States population (1988 to 1994): National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III), 2002

4. Dunn JT. Guarding our nation’s thyroid health, 2002

5. Hubner U, et al. Continuous age-dependent reference ranges for thyroid hormones in neonates, infants, children and adolescents established using the ADVIA Centaur Analyzer, 2002

6. Surks MI, et al. Age-specific distribution of serum thyrotropin and antithyroid antibodies in the US population: implications for the prevalence of subclinical hypothyroidism, 2007

7. Kumar A, et al. Thyroid function tests in pregnancy, 2013

8. Fontes R, et al. Reference interval of thyroid stimulating hormone and free thyroxine in a reference population over 60 years old and in very old subjects (over 80 years): comparison to young subjects, 2013

9. Vadiveloo T, et al. Age- and gender-specific TSH reference intervals in people with no obvious thyroid disease in Tayside, Scotland: the Thyroid Epidemiology, Audit, and Research Study (TEARS), 2013

10. Lewandowsky K. Reference ranges for TSH and thyroid hormones, 2016

Vedrana Högqvist Tabor